Historie
Heinz-Josef und Johanna Antpöhler, geb. Köllner
Historie
Fast wäre der Kaufmann Heinz-Josef Antpöhler vom "Gastlichen Dorf" in Sudhagen Sänger geworden. Nach Lehr- und Wanderjahren als Lebensmittelkaufmann in Brakel, Hamburg, Hannover und Uelzen bestand er mit seinem gutturalen Bass und zweijähriger Vorbereitung die Aufnahmeprüfung an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold mit Bravour und dem Angebot eines Stipendiums.
Doch der Vater Willy Antpöhler (verstorben 1998) wollte es anders. Und so schminkte sich der Filius seine musischen Ambitionen ab, um weiter als Kaufmann in die Fußstapfen des Familienoberhauptes zu treten.
Junior Heinz-Josef zog dann den Großhandel mit Backwaren auf. Ein "Renner" waren 1962 Tortenböden von Timmermeister aus Brackwede, die von Antpöhler in ganz Deutschland abgesetzt wurden. Um die erforderlichen Mengen liefern zu können, funktionierte Timmermeister das Kino Laumes Kamp um. Statt Erol Flynn und andere Hollywoodgrößen auf der Leinwand zu reproduzieren, wurden dort jetzt täglich bis zu 10.000 Tortenböden gebacken. Antpöhlers Backwarenhandel spielte sich bis dahin in drei Garagen ab. Platz für Expansion bot die 1969 erworbene alte Kanalschule in Sudhagen.
Heinz-Josef Antpöhler heiratete 1971 Johanna Köller, Tochter des Tabakwarenhändlers und begeisterten Leichtathletiksportlers Heinrich Köllner und seiner Ehefrau Gertrud, geb. Lewerken. Ein Glücksfall für beide und für das Unternehmen, denn Johanna, gelernte Finanzinspektorin, konnte mit dem Aufbau und der Leitung als Vertragspartner von bofrost mit heute 56.000 Kunden gemeinsam mit ihrem Onkel Josef Köllner ihr kaufmännisches Geschick voll entfalten. Im Jahr 1976 gegründet, hat die Familie Antpöhler heute Niederlassungen in Delbrück und Bad Salzuflen mit 60 Fahrzeugen und 100 Mitarbeitern.
Nach der Kündigung des dänischen Hauptlieferanten erfolgte mit dem Bau der eigenen Konditorei in Sudhagen die Neuorientierung im Backwarenbereich. Ein eigenes hochwertiges Butter-Teegebäck-Sortiment entwickelten Heinz-Josef Antpöhler und Konditormeister Alfons Mertens.
Es folgte die Herstellung von Florentinern nach alten Rezepturen. Die tägliche Gesamtproduktion stieg von 20 Kilogramm im Jahr 1975 auf 2.000 Kilogramm in 1985. über die Leckereien freuten sich vor allem auch viele Delbrücker, die mit dem Ladeneinkauf bei Wilma Antpöhler und den preiswerten Bruchwaren den heimischen Kaffeetisch bereicherten.f
Und weil die Wirtschaft eigenen Gesetzen folgt, die nicht nur von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, ist Flexibilität gefragt. Diese kaufmännisch unerlässliche Eigenschaft bewies die Familie Antpöhler einmal mehr um die Jahrtausendwende. Inzwischen hatten deren vielfältige Aktivitäten mit der Gebäckkonditorei in der ehemaligen Kanalschule, dem Tiefkühl-Heimservice, einer Tortenfabrikation von 20.000 Stück am Tag in Westenholz und dem "Gastlichen Dorf" in Sudhagen ein kleines unternehmerisches Imperium mit rund 300 Arbeitsplätzen geschaffen.
Schwere Erkrankungen von Heinz-Josef Antpöhler machten eine Umstrukturierung des Unternehmens notwendig. Eine gute Chance ergab sich mit dem Angebot des Gebäckfabrikanten Schulte aus Mastholte, die Produktion von Backwaren in Sudhagen zu übernehmen und die Gebäude anzupachten. Auch das Angebot von Coppenrath und Wiese für den Kauf von Produktion und Anpachtung der Immobilien in Westenholz war zu gut, um es auszuschlagen. Etwa zeitgleich wurde die Gastronomie im "Gastlichen Dorf" verpachtet.